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Donnerstag, 30. Juni 2011

Das Gehirn im Tank – Zweifel an der Existenz der Außenwelt

Die moderne Welt ist seit Jahrhunderten von starker Skepsis geprägt. Seit Descartes ist es ungewiss, ob unsere Erkenntnis den Dingen der Welt entspricht. Für Descartes ist es möglich, dass ein böser Dämon uns irgendwelche Gedanken und Bilder eingibt, die wir für die Wirklichkeit halten, ähnlich wie der Träumende das, was er träumt, für wirklich hält. Der Philosoph Putnam hat dies mit einem mehr unserer modernen Zeit angemessenem Gedankenexperiment veranschaulicht, nämlich dem „Gehirn in Tank“. Ein übler Neuwissenschaftler könnte demnach durch Verbindungen zu unserem Gehirn unsere Gedanken und Wahrnehmungen beeinflussen, so dass alles was, was wir als real betrachten, nur das Ergebnis der Manipulationen eines Neurowissenschaftlers ist.

Sonntag, 26. Juni 2011

Neurowissenschaft und scholastischer Hylemorphismus

Ist es nicht erstaunlich, dass angesichts der Erkenntnisse der modernen Neurowissenschaften, die eine enge Verbindung zwischen geistigen und körperlichen Tätigkeiten sichtbar gemacht haben, die scholastische Auffassung vom Verhältnis von Seele und Körper so gut wie keine Beachtung findet? Stattdessen streiten die Philosophen über die Frage, ob der cartesische Dualismus (in welcher Form auch immer, als Substanzdualismus oder als Eigenschaftsdualismus) oder der Materialismus die Erkenntnisse der Neurowissenschaften besser interpretieren. Seit Jahren steht das sogenannten „Mind-body-problem“ im Zentrum der philosophischen Forschung, doch die Lösung, die bereits bei Aristoteles zu finden ist und dann besonders in der mittelalterlichen Scholastik ausgearbeitet wurde, wird von kaum einem Philosophen ernst genommen. Bereits das „Problem“ selbst ist falsch gestellt, da es Formal- und Finalursache von vornherein von einer Problemlösung ausschließt.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Ist der Embryo kein Individuum?

In der Ausgabe der FAZ vom 22. Juni schreibt Horst Dreier, Professor für Rechtsphilosophie, Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Würzburg, dass der Embryo nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle innerhalb der ersten 14 Tage noch kein Individuum ist und folglich nicht den Schutz des Menschenwürde durch das Grundgesetz beanspruchen kann. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Zulassung der PID nicht verfassungswidrig ist. Das Argument gegen die Individualität des Embryos ist alt und wird von den meisten sogenannten Bioethikern verwendet. Doch das Argument ist falsch ist kann widerlegt werden. Bedauerlicherweise ist die Widerlegung dieses Arguments in Deutschland offensichtlich unbekannt.

Das Elend der modernen Theologie

Wie weit die katholische Theologie und Philosophie sich in den letzten Jahrzehnten von den Grundlagen der scholastischen Philosophie entfernt hat, könnte an zahlreichen Beispielen aus dem alltäglichen Lehr- und Publikationsbetrieb gezeigt werden. Mit fiel heute ein solches Beispiel in die Augen, als ich einen Beitrag in der nicht selten recht guten Zeitschrift „Die neue Ordnung“ mit dem Titel „Die Rolle der Religion im Zeitalter der Säkularisierung“ las. Dort heißt es doch wörtlich: „Daraus folgt ein weiteres fundamentales Prinzip des Denkens: Die Personalität des Sein.“

Freitag, 10. Juni 2011

Analogie des Seins

In der Gegenwartsphilosophie ist mir keine Philosophie bekannt, die „Sein“ als analogen Begriff versteht. Alle modernen philosophischen Systeme stimmen, trotz erheblicher Unterschiede in zahlreichen anderen Fragen, darin überein, dass Sein nichts anderes besagt als „Existenz“ und univok zu verstehen ist. Die aristotelische Scholastik stellt auch hier eine Ausnahme dar. Sie hält daran fest, dass Sein nur analog zu verstehen ist. Die Argumente für diese Behauptung sind in der modernen philosophischen Debatte meist unbekannt oder missverstanden.

Freitag, 3. Juni 2011

DNA und Finalursache

Immer wieder hört man, die scholastische Philosophie stehe im Widerspruch zur modernen Naturwissenschaft. Man könnte darauf in der Weise Hegels antworten, der auf den Einwand, seine Philosophie stehe im Widerspruch zur Realität (was in der Tat der Fall ist), antwortete, „umso schlimmer für die Wirklichkeit“. Zunächst gilt auf jeden Fall, dass sich die scholastische Philosophie und die moderne Wissenschaft grundsätzlich nicht widersprechen können, da beide auf zwei verschiedenen Ebenen liegen. Es mag Wissenschaftler geben, die ihre Grenzen überschreiten und aus ihren empirischen Ergebnissen „philosophische“ Schlussfolgerungen ziehen, doch dann sprechen sie als Philosophen und nicht als Wissenschaftler. Am Beispiel der Desoxyribonukleinsäure (DNA) kann man deutlich machen, wie die moderne Biologie sehr klar für die Annahme einer Finalursache spricht.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Ist mein Ferrari eine Substanz?

Bei gewissen Autoliebhabern kann man sich gelegentlich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie ihr Fahrzeug wie ein lebendiges Wesen behandeln. Sie sprechen mit ihrem Fahrzeug, wie andere mit ihrem Hund, sie pflegen fast täglich ihre Karosse, basteln und schrauben... Doch weiß natürlich letztlich auch der Ferrari Fahrer, dass sein Auto nicht lebt. Doch was ist ein Auto, ein Telefon, ein Computer oder der „David“ von Michelangelo? Man nennt diese Dinge „Artefakte“, also künstliche Gegenstände, von Menschen gemachte Dinge. Diese Artefakte sind in unserer modernen technischen Welt oft so aufdringlich, dass sie, besonders in Städten, den Blick auf die natürlichen Dinge oft verstellen können. Doch was sind Artefakte?