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Dienstag, 12. Juli 2016

Beten Christen und Moslems den gleichen Gott an?



Diese Frage taucht seit Jahrzehnten immer von neuem auf und hat für viel Streit zwischen Christen, nicht nur zwischen Christen unterschiedlicher Konfessionen, gesorgt, sondern auch zum Streit zwischen Katholiken, die eher liberal und modern gesinnt sind und Katholiken, die sich der Tradition verbunden fühlen. In Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils wird behauptet, dass Christen und Moslems denselben Gott anbeten. Ich möchte zur Schlichtung dieses Streites beitragen, indem ich eine von ideologischen Vorurteilen freie philosophische Analyse vorstellen möchten. Es geht mir, um dies hier gleich zu Beginn deutlich zu sagen, nicht darum, interreligiöse Treffen und Gebetsveranstaltungen zu rechtfertigen. Der Ökumenismus oder der interreligiöse Dialog ist völlig unabhängig von der Frage, ob Christen und Moslems denselben Gott anbeten oder nicht. Man kann entschieden gegen derartige synkretistische Veranstaltungen sein, ohne zu behaupten, dass es sich bei beiden Religionen um zwei verschiedene „Götter“ handelt. Man kann aber ebenso für interreligiöse Gebetstreffen sein, selbst wenn klar ist, dass die beteiligten Religionsvertreter nicht denselben Gott anbeten, wie dies bei Hindus und Buddhisten zweifellos der Fall ist.